Neue Seitenstruktur bei TA, TLZ und OTZ

von Rainer ASCHENBRENNER

Jüngst las ich über eine neue Seitenstruktur für T­­­­hüringer Allgemeine (TA), Thüringische Landeszeitung (TLZ) und Ostthüringer Zeitung (OTZ). Eine Pressemitteilung der Mediengruppe Thüringen (MGT) kündigte diese  Neuerungen zum 1. Februar an.


Die neue Seitenstruktur in einer Präsentation der TLZ. Screenshot: raMan rücke mit der neuen Seitenstruktur „die Lebenswirklichkeit und das Lebensgefühl unserer Leserinnen und Leser noch stärker in den Fokus“ und werde „mehr lokale und regionale Vielfalt“ abbilden, sagte Projektleiter und TA-Chefredakteur Johannes M. Fischer. „Wir werden damit noch deutlicher unserem Anspruch als Heimatzeitung gerecht.“
-> Die Präsentation zur Seitenstruktur der TA hier.

Mehr Qualität und mehr Relevanz im Lokalen, in Thüringen und im Freizeitbereich“, versprach MGT-Geschäftsführer Michael Tallai.

Tolles Ei ins (Oster-)Nest gelegt

Das ließ hoffen. Denn schließlich haben wir in Gotha schon seit Ostern 2010 eigentlich nur noch einen Lokalteil. Seither stimmten sich die beiden formell noch eigenständigen Redaktionen ab, wer welche Termine besetzte und produzierten dann in einen großen Topf, aus dem die Seiten befüllt wurden. Die zwei Ausgaben hatten deshalb viele Dubletten, waren aber tagesaktuell selten identisch. Im Wochenverlauf bekamen trotzdem TA-Leser alle TLZ-Texte zu lesen – und andersherum. Ausnahmen bildeten wenige exklusiv recherchierte Geschichten der TLZ- oder TA-Redakteure.

Auch wenn kaum noch jemand BEIDE Tageszeitungen abonniert hatte – der Verlust an Medien- und damit auch an Meinungsvielfalt war eklatant. Und blieb nicht unbemerkt. Schließlich kennen Gothaer Leser und Leserinnen ihre Pappenheimer. Sie wissen, dass zur „blauen“ TLZ Conny Möller und Wieland Fischer gehören und zur „grünen“ TA Claudia Klinger und Peter Riecke.

Das „Gothaer Modell“ wurde übrigens auch an anderen Doppel-Standorten gepflegt – mit verschiedener Quote der Zweitverwertung.

Der Einfalt ein Ende?

Doch jetzt sollte es – dank der neuen Seitenstruktur – „mehr lokale und regionale Vielfalt“ (Johannes M. Fischer) mit „mehr Qualität und mehr Relevanz“ (Michael Tallai) geben.

Jenseits von Bauchgefühlen oder Vorurteilen mögen Zahlen sprechen. Maßstab dafür waren Gothaer Ausgaben von TA und TLZ.

Am 31. Januar erschienen TA und TLZ letztmalig im alten Format.
18 der 24 Seiten waren identisch (Details hier).

Die Ausgaben vom 4. Februar (Samstag) in Gotha präsentierten sich in der neuen Seitenstruktur. Jetzt waren 22 der 28 Seiten identisch.

Erstmals erschien auch die neue Wochenendbeilage. Sie setze v. a. „auf Freizeitthemen, vom schönen Wohnen über Wandern bis hin zu Wellness“. Dessen Layout sollte sich von Rest der Zeitung abheben und „an ein hochwertiges Magazin“ erinnern. So stand es in der MGT-Pressemitteilung. Diese 8 Seiten waren tatsächlich „magazinisch“, aber  identisch. Zuvor hatte jeder der drei Titel „seine“ Wochenendbeilage.

Identisch wie bisher sind in der neuen Struktur allerdings auch wieder die Beilagen „Immobilien“ (4 Seiten) und „Reise“ (8 Seiten).

Rechnet man die Beilage hinzu, dann waren demnach 42 von 48 Seiten identisch (Details hier) .

Weniger machen mehr (Gewinn)

Zur Erinnerung: Die neue Blattstruktur sollte mehr lokale und regionale Vielfalt, mehr Qualität und mehr Relevanz bringen.

Sie wäre zudem „ein wichtiger Bestandteil des Zukunftsprogramms, das wir vor einem Jahr begonnen haben“, ist MGT-Geschäftsführer Michael Tallai in der Pressemitteilung zitiert.

Dieses Zukunftsprogramm hatte die MGT Anfang 2016 verkündet, das einen radikalen Umbau aller Redaktionsstrukturen vorsah. Das sollte aber verbunden sein mit einem Schärfen der individuellen Profile der Tageszeitungen. Dafür sollte die Blattplanung und Themensetzung wieder in den Regionen und nicht mehr in den Mantelredaktionen stattfinden, so die Pressemitteilung. Und nicht zuletzt sollten die Lokalredaktionen um weitere Redakteurinnen und Redakteure aufgestockt werden.

Zugleich aber standen der Abbau von 57 Redakteursstellen in den drei Mantelredaktionen im Raum und die Entlassung der Sekretärinnen der Lokalredaktionen.

All dies rief nicht nur den DJV Thüringen (Pressemitteilung hier und hier) auf den Plan, bestimmte dessen Landesverbandstag in Arnstadt (Pressemitteilung). Auch die Thüringer Öffentlichkeit nahm dies mit Besorgnis auf, befürchtete einen dramatischen Verlust an Meinungs- und Pressevielfalt. So gab es u. a. im April eine öffentliche Debatte im Erfurter „Café Nerly“ – vom DJV (PM) und der Friedrich-Ebert-Stiftung organisiert (Podcast – Dauer: 1:51 h). Kenner der Thüringer Medien-Szene wie der Ex-TA-Mann Falk Heunemann und auch Thüringer Parteien wie die SPD und die LINKE äußerten sich dazu.

Schlussendlich gab es für Redakteure, die über 57 Jahre alt waren, das Angebot einer Übergangsregelung, bei der sie bezahlt von der Arbeit freigestellt wurden. Das nehmen mehr als 50 an – also gut 1/5 aller Journalisten in den drei Tageszeitungen. Der Abgang solcher Routiniers reißt in jedem Unternehmen eine gewaltige Lücke. Schließlich nehmen sie auch jede Menge Detailwissen, Ortskenntnis, Überblick und Lebenserfahrung mit.

Und: Die Ü50 sind im Übrigen immer noch die treueste Leserschaft der drei Zeitungen. Eben genau jene, deren „Lebenswirklichkeit und das Lebensgefühl … noch stärker in den Fokus“ der Berichterstattung kommen sollte (Johannes M. Fischer).

Dies galt übrigens auch für die Sekretärinnen, deren Stellen vor Ort dennoch abgebaut wurden. Seither werden die Lokalredaktionen aus der MGT-Zentrale in Erfurt betreut. Für die Stellen dort konnten sich die bisherigen Sekretärinnen bewerben. Das taten nicht alle. Aber auch jene, die das taten, wurden nicht alle genommen – weil es deutlich weniger Stellen waren als zuvor.

„Provinz fängt im Kopf an“

Nun könnte man sich auch noch mokieren, dass „Provinz im Kopf“ anfängt, weil die Berichterstattung über die Politik jenseits der Grenzen des Freistaates marginal geworden ist.

Man könnte auch schlaumeiern, dass vollständige Seiten nicht in und mit Stoff aus Thüringen gefüllt, sondern von diversen Zentralredaktionen beigesteuert werden.

Trefflich ließe sich philosophieren, dass eine Regionalzeitung, wie es die „Drei Gleichen“ sind (die ja auch noch einen identischen Online-Auftritt hinlegen!), dann tatsächlich lesenswert wären, würden Auswirkungen der Ereignisse in der großen, weiten Welt auf die regionale/lokale Ebene gezeigt.

Und es wäre sicherlich keine Krümelkackerei, stünde hier nun auch noch, was die Personaldürre im Lokalen fördert: Nämlich, dass Pressemitteilungen von Kommunen, Verbänden und diversen politischen Mandats-, Funktions-, Bedenken- und sonstigen -trägern unbearbeitet, 1:1 ins Blatt gehoben werden – ohne zu kennzeichnen, dass es PR ist.

Das wohl beste aller Silly-Alben aus der Ära mit Tamara Danz war für mich „Februar“. Das kam 1989 heraus. Ein Song hatte den Refrain: „Alles wird besser, aber nichts wird gut …“

Wie zeitlos diese Zeilen sind, obwohl 28 Jahre alt.

Keine Pressekonferenzen mehr im Landtag

Der Landespressekonferenz e. V. wird künftig keine Pressekonferenzen vor den Plenarsitzungen des Thüringer Landtags mehr veranstalten. Grund: Zuletzt nutzten kaum noch Journalisten dieses Angebot. In seiner Pressemitteilung appellierte der DJV Thüringen an Verantwortliche der Thüringer Medien, für eine vielfältige, umfassende politische Berichterstattung zu sorgen. 

Parallel zur Pressemiteilung bekamen die Chefredakteure der Thüringer Tageszeitungen einen Brief der DJV-Landesvorsitzenden Anita Grasse.

Sie erinnerte daran, dass die Pressekonferenzen nicht allein der Weitergabe von Informationen aus den aktuellen Plenarsitzungen dienten, sondern „stets Gelegenheiten waren, Themen der Politikberichterstattung aufzuspüren und zu vertiefen, weil die Vorsitzenden der Fraktionen im Landtag daran teilnahmen“.

Der DJV Thüringen betrachte die Absage dieser Entwicklung mit Sorge. Journalisten in Thüringen seien seit der zunehmenden Zentralisierung und Konzentration der Arbeit in fast allen Redaktionen häufig überlastet. Grasse fragt die Chefredakteure: „Können Sie es sich vor diesem Hintergrund wirklich leisten, ein so leicht zugängliches Instrument zur politischen Recherche aufzugeben?“

DJV sieht Befürchtungen bestätigt

Sie sehe in dieser Entwicklung auch die Befürchtungen des DJV Thüringen bestätigt, dass die zunehmende Zentralisierung und Konzentration der journalistischen Arbeit in den Thüringer Redaktionen die Medienvielfalt und damit schließlich auch die Meinungsvielfalt im Land beschneide. „Wenn in verschiedenen Zeitungen derselbe Text steht, weil Termine nur noch von einem Journalisten besetzt werden, dann hat das mit Vielfalt nichts mehr zu tun“, warnt Grasse: „Und besonders dramatisch wird es, wenn das auch die Berichterstattung über die Landespolitik trifft, die direkte Auswirkung auf das Leben der Leser und Zuschauer in diesem Land hat.“

Weiter machte die Landesvorsitzende deutlich: „Es ist unser aller Aufgabe, unsere Leser, Zuschauer, Zuhörer und User mit Informationen zu versorgen, die ihnen eine ausgewogene Meinungsbildung erlauben. Das gelingt nur durch Vielfalt – in der Themenwahl, Quellennutzung, Recherche und Berichterstattung.“ Die DJV-Vorsitzende forderte vor allem die Chefredakteure der Mediengruppe Thüringen auf, „das Vielfaltsversprechen einzuhalten“, das die Umstrukturierungen der vergangenen Jahre begleitete.

Der DJV Thüringen biete sich zum Gespräch an, um „gemeinsam für die mediale Vielfalt in Thüringen zu streiten“.

(Foto: BY-SA 3.0, Bundesarchiv Bild 183-1989-1109-030)

 

Jeden Monat 20 Minuten – Die neue Bürgernähe im Freistaat

„Die machen doch eh, was sie wollen.“
„Die sitzen auf dem hohen Ross.“
„Die lügen.“

Das Ansehen der Politiker ist nicht das beste. Gerade die etablierten Parteien haben zu kämpfen, um Wähler überhaupt noch zu erreichen. Bürgernähe ist das Stichwort. Dabei bieten soziale Medien heute Möglichkeiten, die das einfacher denn je machen.

Demokratie ist Mitbestimmung, und die funktioniert nur, wenn wir uns auch für das interessieren, was die von uns Gewählten in unserem Namen tun. Projekte wie der Youtubekanal Jung & Naiv bieten einen tiefen Einblick in Bundes- und Weltpolitik und fordern von rhetorischen Kniffen freie Antworten.

Bürgerstunde auf Facebook

Nun wagt ein Thüringer Politiker einen Schritt auf die Bürger zu. Viele Volksvertreter in Thüringen sind längst auf Facebook & Co. aktiv, schreiben dort zum Teil sogar selbst und antworten auf Fragen. Doch Bürgerstunden finden nach wie vor oft nur vor Ort statt.

Doch gerade dafür bieten sich soziale Netzwerke an. Sie bieten eine Plattform, über die man von überall aus kommunizieren kann. Mike Mohring, der Landes- und Fraktionsvorsitzende der Thüringer CDU, hat in dieser Woche zum ersten Mal zur Frage-Antwort-Runde auf Facebook eingeladen. Per Video-Livechat stellte sich der Politiker 20 Minuten lang den Fragen der Facebooknutzer zur aktuellen Politik im Freistaat.

Eine schöne Idee, die bereits einige Thüringer nutzten und die wir uns von mehr Politikern wünschen.

Auch der DJV Thüringen hat eine solche Sprechstunde der Vorsitzenden auf Facebook bereits ausprobiert, die nur mäßig genutzt wurde. Was haltet ihr von einer Videosprechstunde? Wir freuen uns über Kommentare.

Emotionen: Förster flennen nicht

Redaktionen lieben Emotionen, wollen Story-Telling.

Das ist gut, weil viele Themen langweilig werden, wenn die Fakten einfach aneinander gereiht werden. Mit einer persönlichen Geschichte kann man Zuschauer und Leser direkter ansprechen und abstrakte Informationen anschaulich machen.

Redaktionen wollen aber auch emotionale Statements – am besten sogar Tränen in den Augen oder bebende Stimmen.

Es wird aber nicht immer gelingen, dass Gesprächspartner Emotionen zeigen. Einige Berufsgruppen machen ihre Gefühle normalerweise aber nicht öffentlich.

Förster flennen nicht. Es ist einfach so.

Was soll ein „Ministerium der Wahrheit“?

(ra) Orwells „1984“ und sein Ministerium der Wahrheit lassen grüßen:
Bundesinnenminister Thomas de Maizière will laut turi2.de ein „Abwehrzentrum gegen Desinformation“ einrichten.

Nun sind auch Bundesminister nur Menschen. Deshalb sehe ICH es ihm nach, dass er ziemlichen Unfug fordert. Das scheint offensichtlich dem allgemeinen politischen Aktionismus derzeit geschuldet. Es ist aber eine eklatante Fehleinschätzung dessen, was in einer Demokratie Aufgabe des Staates und was Verantwortung des Einzelnen ist.

Investieren in Bildung

Sinnvoller wäre hingegen, das Bildungssystem bundesweit so finanziell wie personell auszustatten, um Medienkompetenz schon an Schüler vermitteln zu können. Medienkompetenz – da meine ich ausdrücklich NICHT das Wissen darüber, wo man einen PC anschaltet…

In der Sache stimme ich WELT-Autor Christian Meier zu, der gar eine Informations- und Bildungsoffensive für alle Bürger fordert.

Mediale Falschfahrer vermeldet seit Jahren zuverlässig und unermüdlich z. B. „Mimikama | Zuerst denken-dann klicken“. In diesen Kreisen hier ist der „Verein zur Aufklärung über Internetmissbrauch“ sicherlich wohl bekannt. Facebook & Co. sollten Mimikama und vergleichbare Portale unterstützen (v. a. finanziell) und sich zudem Journalisten ins Team holen: Die wissen – in aller Regel – wie man recherchiert und Quellen bewertet.

Lesetipps:
WDR-Blog: Der Kampf gegen Fake News und die Ideen, die es bisher gibt

FAZ: Fake News können nicht mit Algorithmen bekämpft werden

Bayrischer Rundfunk: Vertrauen statt Likes

 

Warum eine gemeinsame Verwertungsgesellschaft?

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vg_wort_postkarte_seite_2Hier die Postkarte auch als PDF!

(bp) Der DJV ist in der Vergangenheit, vor allem nach dem Urteil des BGH zur Verlegerbeteiligung, dafür kritisiert worden, dass er an der gemeinsamen Wahrnehmung von Rechten der Urheber und der Verleger festhält. Behauptet wird z.B., der DJV unterstütze, dass „Verleger weiterhin hälftig an den Einnahmen der VG Wort“ beteiligt werden.

Diese Behauptung ist falsch. Der DJV hat sich noch nie dafür eingesetzt, dass Verleger 50 % der Erlöse der VG Wort oder einer anderen Verwertungsgesellschaft erhalten. Im Gegenteil haben seine Vertreter(innen) in allen Verteilungsfragen stets dafür plädiert, an die Urheberinnen und Urheber deutlich mehr als die Hälfte der Erlöse auszuschütten. Das ist u.a. der Grund dafür, dass Journalistinnen und Journalisten bei verlegten Werken    100 % der Pressespiegelvergütung, 70 % der Reprographievergütung und    60 % der Vergütung aus der elektronischen Reprographie erhalten.

Der DJV hat sich aber immer dafür eingesetzt, dass Urheber und Verleger in den Verwertungsgesellschaften gemeinsam ihre Rechte wahrnehmen. Auch nach dem BGH‐Urteil ist die gemeinsame Rechtewahrnehmung sinnvoll:

Urheber haben originäre gesetzliche Vergütungsansprüche. Verleger können diese Rechte nur durch Abtretung erwerben. Das Urteil des BGH akzeptiert, dass Urheber ihre Ansprüche nachträglich, also nach der Schaffung des Werkes oder nach der Veröffentlichung an Verleger abtreten, es reicht auch, dass Zahlungsansprüche abgetreten werden. Urheber sind daher nicht davor gefeit, dass Verlage Druck ausüben, um an diese Rechte zu gelangen. Ebenso wenig, wie Urheber davor geschützt sind, dass Verlage ihnen alle Rechte für eine Vergütung abnehmen. In den Verwertungsgesellschaften sorgen gesetzliche Regelungen und die Aufsicht dafür, dass sie nicht übervorteilt werden.

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Wer sind die Verursacher?

(rl) Thüringens Innenminister, Dr. Holger Poppenhäger, ließ sich in einer Medieninformation zum Softwareeinsatz bei der Thüringer Polizei zitieren: „Sollten sich die Beschuldigungen als haltlos erweisen, so sind sie jedoch erneut geeignet, Unruhe in die Thüringer Polizei zu tragen. Hier steht dann auch die Glaubwürdigkeit der Verursacher der Beschuldigungen auf dem Spiel.“ Wen meint er nur abseits jeglicher Verschwörungstheorie?

Ist es das LKA Thüringen, das Software möglicherweise nicht nur zur IT-Sicherheit einsetzt oder datenschutzrechtliche Belange nicht ausreichend berücksichtigt?

Ist es vielleicht das Innenministerium selbst, das den Hauptpersonalrat bei der Einführung des Gesamtprogramms „Device Watch“ möglicherweise nicht ausreichend informiert und die beiden Überwachungsprogramme verschwiegen hat?

Ist gar ein Informant der Medien aus dem eigenen Haus gemeint?

Oder meint der Minister die Medien, genauer den MDR, der die Geschichte aufdeckte?

Nein, es klingt nicht wie eine Drohung. Statt sich wie das LKA Thüringen um Sachlichkeit zu bemühen, lässt der Innenminister die Medien im Ungewissen und damit Raum für Spekulationen.

Aufgabe der Medien ist Sachverhalte von öffentlichem Interesse zu recherchieren und damit an der Meinungsbildung mitzuwirken. Recherche ist nach dem Pressekodex ein unverzichtbares Instrument journalistischer Sorgfalt. Damit verbunden ist die Pflicht, die  Nachricht vor ihrer Verbreitung auf ihre Richtigkeit zu prüfen. Weitere Sorgfaltspflichten sind Sachlichkeit und Güterabwägung. Dem MDR-Bericht ist keine Vernachlässigung der genannten Pflichten zu entnehmen. Die Quellen (vertrauliche Unterlagen) werden genannt, die Betroffenen kommen zu Wort. Dass bei einer möglichen Überwachung von Dienstcomputern ein besonderes öffentliches Interesse besteht, wird auch der Minister nicht leugnen können.

Als Überbringer der schlechten Nachricht jedenfalls kann den Medien kaum das Schicksal der Boten im Mittelalter drohen. Allenfalls droht tatsächlich ein Glaubwürdigkeitsverlust, wie von Poppenhäger in der genannten Medieninformation formuliert – allerdings nur dann, wenn sich die Geschichte als schlecht recherchiert oder vorsätzlich falsch veröffentlicht herausstellt.

#starkesUrheberrecht: Ergebnisse unserer Blogparade

Das Urheberrecht soll novelliert werden. Genauer: Die Rechte der Urheber, vor allem das auf angemessene Honorierung, sollte gestärkt werden. Dafür gab es einen Gesetzentwurf, der gar nicht so schlecht war. Bis er verschlimmbessert wurde. Im Entwurf, der vor der Sommerpause in Bundesrat und Bundestag diskutiert wurde, stärkte das Gesetz plötzlich nicht die Urheber, sondern die Verwerter (zum Verlauf der Diskussion). Da hatten Verleger und Sender wohl lauter geschrien als Autoren und Künstler. Wir hatten damals zu einer Blogparade unter dem #starkesUrheberrecht aufgerufen und wollten von euch und Ihnen wissen, wie ein Urheberrecht aussehen muss, damit die Urheber wirklich davon profitieren – und wie es aktuell aussieht. Vielen Dank all den Bloggern da draußen, die sich an dieser Blogparade beteiligt haben.

Das war zum Beispiel Anita Grasse, unsere DJV-Landesvorsitzende, die in ihrem eigenen Blog schreibt: „Und in Zeiten, in denen die Lokalzeitungen ohnehin an allen Enden Personal einsparen, macht es vielleicht auch tatsächlich keinen Unterschied mehr. Ist ja schließlich egal, ob künftig statt vielleicht einem Drittel aller Beiträge von vermeintlich freien Journalisten fast alle von Menschen geschrieben werden, die nie eine journalistische Ausbildung genossen haben. Vor einigen Jahren nannte man sie Bürgerreporter. In Zukunft – wenn durch das mangelhafte Urheberrecht auch die letzten „echten“ Freien ihre Existenzgrundlage eingebüßt und den Beruf aufgegeben haben – wird man sie nur noch Reporter nennen.“ Und um genau das zu verhindern, brauche man ein starkes Urheberrecht: https://www.komplextext.de/allgemein/starkesurheberrecht-mein-beitrag-zur-blogparade/

Auch DJV-Bundesvorsitzender Frank Überall beteiligte sich an der Blogparade. Er schreibt: „Es ist nicht (mehr) selbstverständlich, dass für die Nutzung geistigen Eigentums bezahlt wird. Das Internet hat die Sitten verlottern lassen. Viele meinen, „Content“ sei gratis zu haben, weil jeder Texte, Töne und Bilder kostenfrei herstellen und anbieten kann. Diese Haltung berücksichtigt aber nicht, dass es Profis gibt, deren beruflich die redaktionelle Erarbeitung von Inhalten ist. Genauso wie es Millionen Hobby-Fußballspieler gibt, gibt es sicher genauso viele Hobby-Journalisten. In beiden Bereichen jedoch gilt: Wer mit guter Ausbildung und professionellem Handwerk aktiv ist, muss von diesem Beruf aber auch leben können.“ Warum der neue Gesetzentwurf das nicht leistet, beschreibt er in seinem Beitrag unter http://frank-ueberall-dabei.blogspot.de/2016/05/starkesurheberrecht-eine-frage-des-uber.html

Das es auch anders geht, beschreibt Susann Winkel in ihrem Beitrag über die Honorarpraxis ihrer aktuellen Auftraggeber, die auch jetzt schon, ohne Gesetzesnovellierung, einen fairen Umgang mit ihren Urhebern pflegten: „Zu meinen wichtigsten Auftraggebern gehören die evangelischen Verlagsunternehmen in Deutschland, die in einem regen Austausch miteinander Wochenzeitungen für die einzelnen Landeskirchen erstellen. Immer wieder gern genommen sind dabei Beiträge zu Themen von überregionaler Relevanz, etwa großen Sonderausstellungen. Findet eine Redakteurin in Hamburg oder ein Redakteur in Stuttgart Gefallen an einem Beitrag, den ich für eine Redaktion in Weimar geschrieben habe, dann erhalte ich eine höfliche E-Mail, ob ich mit einer weiteren Veröffentlichung einverstanden wäre. PDF- und Papierbeleg sowie weitere Vergütung sind Selbstverständlichkeiten.“ Den ganzen Beitrag gibt es hier: http://susannwinkel.de/blog

Auch Dr. Bernd Seydel berichtet in seinem Blogbeitrag über eigene Erfahrung. Die allerdings waren weniger erfreulich als die von Susann Winkel: „Vor kurzem entdeckte ich auf einer Seite im Internet ein Foto von mir. Es begrüßt fröhlich alle Besucher als Banner stets oben auf jeder Seite. Es zeigt eine Drahtskulptur eines befreundeten Künstlers. Bis jetzt finde ich das alles ganz schön. Ärgerlich: Ich als Fotograf weiß davon nichts, wurde nicht gefragt und natürlich nicht bezahlt. Das ist die schlechte Seite der Nachricht. Die gute Seite: Der Künstler und ich haben mit dem Betreiber der Internetseite gesprochen, ihm einen Honorarvorschlag gemacht und er hat zugestimmt. Die Rechnung ist schon geschrieben.“ Zu seinem Beitrag geht es hier entlang: http://blog.dr-seydel.de/urheberrechte-sind-durchsetzbar/

Und Dr. Bernd Seydel hat sich einige Tage später aus aktuellem Anlass mit einem zweiten Beitrag an der Blogparade beteiligt. Darin geht es eher um die praktische Umsetzbarkeit eines Urheberschutzes – und die Frage, ab wann man eigentlich Urheber, zum Beispiel eines Fotos, ist. „Als ich vor einer Sehenswürdigkeit stehe, die ich dokumentieren möchte, werde ich angesprochen: ‚Können sie ein Foto von uns machen?‘ Drei ältere Damen lächeln mich an. Ich will schon zu meiner Kamera greifen, weil ich auf einen lukrativen Zusatzjob spekuliere, da drückt mir die eine Dame ihr iPhone in die Hand und kuschelt sich mit ihren beiden Freundinnen zusammen. Da zucke ich zusammen. […] Denken wir doch mal ganz nüchtern nach: Ich bekomme ein Handy von jemandem, den ich nicht kenne, für eine kurze Zeit geliehen? Ausgehändigt? Zur Verfügung gestellt? Ich nehme es an, fotografiere die drei Grazien. In dem Moment habe ich doch Urheberrechte für mich erzeugt. Ich bin der Urheber dieses Fotos, das ich mit einer Kamera gemacht habe, die mir nicht gehört. […] Zurück zu den Damen. Ich mache das Foto wie erbeten. Die Urheberrechte daran habe ich automatisch miterzeugt. Angenommen, die drei verschwinden, veröffentlichen das Foto und weil es so toll oder irgendetwas daran spannend ist, verkaufen sie es an eine Agentur und verdienen Geld damit. Und ich? Ich blöder Depp habe nichts davon, weil ich einfach nur freundlich sein wollte.“ Den ganzen Beitrag (und Bernd Seydels persönliche Auflösung des Dilemmas) finden Sie hier: http://blog.dr-seydel.de/millionenfach-urheberrecht-verletzt/

Mariana Friedrich beschreibt in ihrem Blogbeitrag die Folgen, die das neue Urheberrecht für Urheber hätte: „Stellt dir vor, du schreibst einen Hit. Sowas richtig großes, ‚Yesterday‘ von den Beatles oder ‚Thriller‘ vom King of Pop oder ein ähnliches Kaliber. Aber egal, wie oft sich deine Fans deinen Ohrwurm kaufen, du wirst nur für die allererste Platte bezahlt. Den Rest der Einnahmen streicht die Plattenfirma ein. Und schreibt vielleicht sogar ihren Namen statt deinen über den Song. Unfair, oder? In etwa so kann man sich vorstellen, was der Bundestag derzeit zum Thema Urheberrecht verhandelt.“ Ihre Beurteilung der Sache – übrigens aus dem Blickwinkel einer festangestellten Redakteurin – finden Sie hier: https://tuerknauf.wordpress.com/2016/06/05/marionetten-der-lobbyisten/

Ausgewogene Berichterstattung zur Kreisfreiheit von Gera?

(rl) In den vergangenen Tagen erreichten den DJV Thüringen Meinungsäußerungen zu einer OTZ-Aktion zum Erhalt der Kreisfreiheit von Gera.

„Die Aktion schadet dem Ansehen der Branche, da geht es nicht allein um die OTZ. Man kann ja von der Gebietsreform halten was man will, eine ausgewogene Berichterstattung sieht aber anders aus.“

Jörg Riebartsch, Chefredakteur der OTZ, erklärt in seinem Blog die Aktion. So habe eine deutliche Mehrheit im Stadtrat für die Kreisfreiheit der Stadt votiert. Es gäbe auch keine Pflicht oder gesetzliche Bestimmung, „die einer Zeitung auferlegt, neutral zu sein“. Stolz, der verloren geht, die Stadt, die im Landkreis untergeht, Förderungen, die ausbleiben – Bürger, Amtsträger und Wirtschaftsvertreter äußern ihre Ängste, pochen auf die kommunale Selbstverwaltung, bezeichnen die Pläne der Landesregierung als unausgegoren.

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