Sergej Lochthofen„Wir schreiben immer mehr für Eliten. Also müssen wir in gute Redakteure investieren, die gute Geschichten schreiben können.“

Sergej Lochthofen, geschasster Chefredakteur der „Thüringer Allgemeinen“, bei der Verleihung der „Medium Magazin“-Journalistenpreise laut turi2.de. (ra)

4 thoughts on “

  1. Da hat er recht. Diejenigen, die in absehbarer Zukunft noch Geld für ein oder mehrere Jahresabos ausgeben werden, möchten dafür Qualität sehen.
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    Qualität wird in Zukunft das alleinige Kriterium sein, das ein Überleben von regionalen und lokalen Print-Titeln möglich macht. Qualität und Exklusivität von Information, Qualität in der Aufmachung, Umsetzung und Einordnung. Wenn Zeitungen das schaffen, werden sie ihre Leser haben und behalten. Und diese Leserschaft lässt sich neben dem Umsatz durch Abos auch zu einem guten Preis an die Anzeigenkunden „verkaufen“.
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    Was nicht funktionieren wird, ist der Weg, der von der WAZ in NRW gegangen wurde und der dem Vernehmen nach auch in Thüringen eingeschlagen wird. Durch einen Rückzug aus dem Lokalen in eine Regio-Desk-Zwischenposition wird genau das aufgegeben, was der spezifische Mehrwert einer Lokazeitung ist: Exklusive lokale Information, die nur am Ort des Geschehens zu holen ist, die google NICHT hat und die man sich deshalb bezahlen lassen kann.
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    Was für einen Wert hat einen Zeitung für jemanden in Sondershausen, die von Leuten gemacht wird, die in Erfurt am Regiodesk sitzen? Die weder die Straßennamen kennen, noch die handelnden Personen in den kommunalen Vertretungen und den ortsansässigen Unternehmen.
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    Einen sehr überschaubaren Wert. Es ist doppelt Schade, dass Lochthofen weg ist – er hatte das verstanden und: er hat vorgemacht, wie es geht. Die Reaktionen der Leser (alles bürgerliche Berufe und Kernzielgruppe) auf seine Abberufung sind dafür Beleg.

  2. Nein, da macht es sich Herr Lochthofen zu einfach.
    Das ist Schubladendenken.
    Elite liest Zeitung, wer nicht Zeitung liest, gehört nicht zur Elite.
    Da hilft es uns wenig, wenn er den ersten Spruch mit einem „Investieren in gute Redakteure“ versüsst. Außerdem ist die „Elite“ eine so kleine Personengruppe, dass man anstelle der Druckmaschine auch als Abonentengeschenk einen Personaldrucker in die jeweilige Wohnung stellen könnte, alle halbe Jahre einen Techniker vorbei schickt und sich den ganzen Stress mit Druckereien und Vertrieb spart.
    Und sie wäre trotzdem noch zu teuer, die Zeitung, auch für die Elite. Wer glaubt, er arbeite zunehmend vor allem für eine Minderheit, kann sich aus diesem Markt auch gleich verabschieden.
    Auch Eliten lesen zunehmend im Netz. Am Desktop, auf dem iPhone und bald auf dem iSlate. Und dort verdienen die Verlage fast nichts.
    Sie haben kein Geschäftsmodell dafür. Auch Herr Lochthofen hatte keines. Das ist das erste Problem.
    Das zweite ist: Warum nimmt das Interesse der Nicht-Elite am Lesen ab?

  3. Jetzt nur 314.854 Expl. verkaufte Auflage für die ZGT.
    Vor einem Jahr waren es noch 327.120 Expl.
    Ein Minus von 3.75% oder in Geld ca. 3 Mio. im Jahr weniger in der Kasse. Läuft doch alles nach Plan…..

  4. @Ups!
    Im Osten gehts für alle Regionalzeitungen stetig bergab. Noch stärker als im Westen. In den neuen Ländern machen es Soziodemografie und Einkommensstruktur auch schwer vorstellbar, dass dieser Trend grundsätzlich gedreht werden kann. Stoppen kann man ihn sicher – fragt sich lediglich auf welchem Level und wann. Dafür, dass man den Trend verlangsamen kann (oder die Auflage sogar stabilisieren), gibt es einige Belege in den aktuellen Auflagenzahlen (s. u.).
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    Wirklich aufschlussreich für das Verständnis der absehbaren bzw. bereits seitens der Verantwortlichen klar erklärten Verlagsrichtung für die Blätter in Thüringen (mehr titelübergreifende Zusammenarbeit, Einführung von Regiodesks, weniger direkte lokale Berichterstattung usw.), ist die aktuelle Entwicklung in dem Bundesland, wo die Rezepte herkommen, die jetzt für TA, OTZ und TLZ in Anschlag gebracht werden.
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    In NRW ist die WAZ-Auflage im freien Fall: Im vergangenen Jahr verliert sie laut IVW 4,9% ihrer verkauften Auflage (41.997) und davon allein bei den Abos 33.000! Das sind reichlich 7 Millionen Euro, die hier allein an Aboeinnahmen für immer weg sind. Vom entgangenen Anzeigenerlös dieser fehlenden Kontakte gar nicht zu reden.
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    Das es zumindest wesentlich moderater geht, zeigt die direkte WAZ-Konkurrenz: Die Rheinische Post verliert im gleichen Zeitraum nur 0,6% (-2419).
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    Dazu ist nichts mehr zu sagen. Wer sehen will, wie ein Verlag seine Titel zu Grunde richtet, sollte einmal mehr nach NRW schauen. Das wird hier in Thüringen genau so passieren. Absolut zwangsläufig.
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    Die falschen Leute setzen auf die falschen Leute. Und der dumme dumme Leser will einfach nicht kapieren, wie gut man es mit ihm meint.
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    (http://meedia.de/nc/details-topstory/article/ivw-analyse–zeitungskrise-verschrft-sich_100025760.html?tx_ttnewsbackPid=23&cHash=3c2325f04c)

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