Smartphone – Fluch oder Segen für den Fotojournalismus

Hund ist unscharf
Foto: Heidje Beutel

Diskussion bei der Ausstellungseröffnung PresseFoto Hessen Thüringen 2017 in Berlin

Von Heidje Beutel

Die Nachteile überwiegen – zumindest auf den ersten Blick: schreibende Journalisten knipsen mit ihrem Handy für geringe Honorare und Auftraggeber erklären professionellen Fotografen, dass sie die Bilder jetzt selber mit ihrem Smartphone machen können. Im Ergebnis bekommen Fotojournalisten dann spürbar weniger Aufträge.

Fluch oder Segen – unentschieden

Bernd Lammel hat mit der Handy-Fotografie kaum Probleme. Der Fotograf und Vorsitzende vom DJV Berlin sprach in seiner Rede voller Respekt über die gute Qualität der Amateur-Fotos, die man auf Instagram entdecken kann. Das verändere auch die Arbeit der Redaktionen, wenn sie bestimmte Bilder von weit entfernten Ländern brauchen. Früher hätten sie jemanden hingeschickt, berichtet er. Heutzutage knüpfen sie nach seiner Beobachtung Kontakte zu guten Fotografen, die sie von Instagram kennen – und das seien häufig Amateure. Zu wenig Aufträge habe er nicht, sagt er, seitdem er mit einer guten Web-Seite für sich werbe (bernd-lammel.de).

Mehr Segen als Fluch

In der Diskussion hob Medienstaatssekretär Malte Krückels die Vorteile der Smartphone-Fotografie hervor: durch die Handys gebe es immer mehr Fotos. Bilder würden dadurch immer wichtiger werden. Zeitungen wie die Süddeutsche Zeitung hätten auf der Titelseite der gedruckten Ausgabe nur ein Bild, auf der Online-Seite jedoch fünf.
In meinem Eingangsstatement hatte ich sogar behauptet, dass mein Respekt für professionelle Fotografen steigt, je mehr Handyfotos ich mache: weil mir mit jedem guten Foto klar wird, dass mein Smartphone das technisch gar nicht hinbekommen würde. Das Smartphone hat keine lange Brennweite, keine so kurzen Belichtungszeiten und eine schlechtere Software. Meine Bilder zeigen daher immer Totalen wenn sich etwas schnell bewegt, wird es unscharf (zum Beispiel der Hund auf dem Foto). Meine These ist daher: je mehr Handy-Fotos gemacht werden, desto größer wird das Interesse an der Fotografie. Amateure posten ihre Bilder bei Instagram und sehen sich im Internet Tutorials von guten Fotografen an. Das unterstützte letztlich die Arbeit der professionellen Fotografen.

Was denkt ihr?

Beim Bayrischen Rundfunk hat es geklappt: Freie Mitarbeiter haben Arbeitsverträge bekommen

Nach diesem Vorbild wollen auch Freie beim MDR eine Festanstellung erreichen. Hat das Aussicht auf Erfolg?

Freie Journalisten
Foto: Mariana Friedrich

Freie Mitarbeiter beim Fernsehen oder Hörfunk – das heißt nicht: bei schönem Wetter Baden gehen oder länger schlafen nach einer Party. Freie Mitarbeiter müssen genauso wie Festangestellte regelmäßig zur Arbeit kommen und so lange da bleiben, bis alles fertig ist.

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Emotionen: Förster flennen nicht

Redaktionen lieben Emotionen, wollen Story-Telling.

Das ist gut, weil viele Themen langweilig werden, wenn die Fakten einfach aneinander gereiht werden. Mit einer persönlichen Geschichte kann man Zuschauer und Leser direkter ansprechen und abstrakte Informationen anschaulich machen.

Redaktionen wollen aber auch emotionale Statements – am besten sogar Tränen in den Augen oder bebende Stimmen.

Es wird aber nicht immer gelingen, dass Gesprächspartner Emotionen zeigen. Einige Berufsgruppen machen ihre Gefühle normalerweise aber nicht öffentlich.

Förster flennen nicht. Es ist einfach so.