Beam me up, Schrotti!

(ra) Na also! Für kress.de hat ZGT-Boss Klaus Schrotthofer einen Blick in die Kristallkugel, pardon; in eine Zukunft geworfen, wie er sie sich für seine Branche vorstellt.

„Viele Journalisten sind noch der irrigen Ansicht, Online sei nur eine Verlängerung ihres eigenen Schreibtisches. Sie übersehen dabei, dass sich das Medium Online längst von seinen Print-Ursprüngen emanzipiert.“

Nun, es ließe sich trefflich streiten, ob tatsächlich „viele Journalisten“ meinten, dass das WehWehWeh eine neue Dimension ihres Schreibtisches sei.

Sicher aber ist: Eine neue Ei-Huhn-Debatte zu starten und den Print-Medien die Vater- oder – der Emanzipation zuliebe – Mutterschaft zuzuschanzen, bringt nicht weiter.

Kress-Autor Christian Meier jedenfalls adelt Schrotthofer für seine Sicht zum „Internet-Evangelisten“. Und er verbreitet gern auch die kleine Unwahrheit, dass die ZGT die „Websites (!) von ,Thüringer Allgemeine‘, ,Ostthüringer Zeitung‘ und ,Thüringische Landeszeitung‘ vollkommen überarbeitet“ habe.

Hätte Meier sich selbst ein Bild gemacht, wäre auch ihm der Etikettenschwindel „Aus drei mach eins…“ aufgefallen.

So aber kann man es Meier auch nicht verübeln, dass er sich von Schrotthofer soufflieren ließ, wonach die Regio-Desks „es den Redakteuren wieder ermöglichen, draußen zu recherchieren und mehr für Online zu schreiben„. Na gugge ma!!

Und diesen Schrotthofer-Plan muss man sich auf der Zunge zergehen lassen:

„So schnell wie möglich wollen wir mehr als die Hälfte der Beiträge im Internet originär produzieren.“

Achtung! Das war kein Aprilscherz! Der Beitrag erschien schließlich am 31. März…

Jawoll! Kannibalisierung als Methode. Deshalb wird es künftig noch weniger Sinn machen, ein Abonnement zu bezahlen, wenn das „originäre“ eh online steht.

Aber Schrotthofer bleibt sich eben treu. Man erinnere sich an diesen Satz:

„In der gedruckten Zeitung gibt es Texte und Bilder, im Internet finden unsere Leser vertiefende und weiterführende Informationen.”

8 thoughts on “Beam me up, Schrotti!

  1. Hmmh. Was wäre die Alternative? Internet abschaffen und hoffen das das neumodische Zeugs von selbst wieder verschwindet?
    Glaubt ihr wirklich das es besser war drei Internetseiten zu haben die den Spielbericht vom FC Carl Zeiss um Mitternacht veröffentlichen wenn er auch auf der Druckrolle ist- dann wenn alle Fans im Internet längst unzählige Berichte gelesen, Videos angeschaut und das Ergebnis in Foren oder Facebook bis zum letzten Fehlpaß durchdiskutiert haben?

  2. Nein, Herr Mock, es geht nicht darum, das Internet abzuschaffen. Es geht auch nicht darum, dass drei mehr oder minder schlechte/schlichte Online-Portale zusammengehauen wurden zur vermutlich umfänglichsten Thüringen-Seite.
    Es geht vielmehr darum, dass TA, TLZ, OTZ, Freies Wort und auch stz zunächst und vor allem Zeitungen sind, deren größtes Pfund ihre lokale und regionale Kompetenz ist – wie übrigens auch Lokal-TV. Diese Stärken zu stärken – mit Mensch und Material – hilft, die Schwächen zu mindern.
    Hase und Igel; Web und Print. AKTUALITÄT kann heutzutage nicht mehr DAS Alleinstellungsmerkmal sein, weshalb Menschen sich eine Zeitung in den Briefkasten stecken lassen und dafür mehr als 20 Euro im Monat bezahlen. EXKLUSIVITÄT ist’s, die entscheidet. Und die können Zeitungen heute immer noch bieten.
    „Online first“ darf nur gelten für die nackte Nachricht. Der sauber recherchierte, exklusive Hintergrundbericht gehört demnach gedruckt. Und erst danach – möglichst auch nur auszugsweise – ins Netz gesetzt.

  3. Was war und soll weiter die Stärke der Zeitung sein? Der Hintergrundbericht, Quellensicherheit, Informationen ordnen und Orientierung bieten. Das Internet kann das nur bedingt. Journalismus ist deshalb nicht überflüssig geworden.
    Die News hat eine Halbwertzeit von wenigen Sekunden. Dann ist sie weltweit verfügbar. Ein Verleger weiß, dass er nur mit einer gut gemachten Zeitung Geld verdienen kann. Wo sind sie geblieben?

  4. Nein Herr Aschenbrenner ich glaube nicht das der „exclusive Hintergrundbericht“ es bringt. Exclusive Hintergrundberichte machen Spiegel oder die Zeit. Im Lokaljournalismus gibt es sie auch- hin und wieder als Höhepunkt. Im Alltag aber ist Lokaljournalismus ganz einfach eine Dienstleistung- der Leser/Zuschauer will nichts Wichtiges verpassen in seinem Lebensumfeld, Heimat, Stadt, Dorf etc. und kann nicht überall selbst dabei sein.
    Ich selbst bin auch Fan von Paper zum Frühstück- aber wir werden weniger. Vorgestern haben 300.000 Leute son Ipad gekauft. 🙂
    Wenn der Kunde seine Dienstleistung aber in anderer Form abrufen will muß man reagieren in der Marktwirtschaft. Wenn der Koch im Restaurant in der Ecke nur das kocht was ihm schmeckt wirds vielleicht bald leer im Restaurant. 🙂
    Das Problem ist nicht das Internet- das Problem ist das dort journalistische Arbeit derzeit als Anzeigenblatt kostenlos verramscht wird.
    Die Content Desk-Strategie der ZGT ist grundsätzlich richtig- ob im Detail muß man dann sehen. So eine „Revolution“ muß auch eingeübt und dann im Detail perfektioniert werden. Man muß jetzt reagieren- wenn man finanziell nicht mehr handlungsfähig ist ist es zu spät. Denn es kann nur ein erster Schritt sein- man wird finanziellen Handlungsspielraum brauchen um beim Konsumenten für Internet-Abos zu werben. Zum Beispiel mit subventionierten Ipads im TA oder TLZ oder OTZ-Design. 🙂
    Es ist richtig das Sie auch LokalTV im gleichen Satz erwähnten. Ich beobachte die spannende Entwicklung auch deshalb weil die vom TV werden die nächsten sein- das Internet wird durch die schnell wachsenden Übertragungsgeschwindigkeiten und bessere Prozessoren und Betriebssysteme auch in Fernsehern in absehbarer Zeit auch der technisch überlegene Vertriebsweg für Nachrichten in bewegten Bildern. 😮

  5. Klar, Herr Mock, der Leser erwartet den von Ihnen beschriebenen Service. Das allein aber ist nicht Lokaljournalismus. Ist es für den Leser nicht minder interessant zu wissen, was er von jenem Politiker zu halten hat, was die Aussage des Zoodirektors wert ist, wie sich die Wirtschaft im Umfeld entwickelt. Auch und gerade der Lokaljournalist muss fähig und in der Lage sein, den Hintergrund zu liefern. Das ist nicht nur den so genannten Edelfedern vorbehalten. Warum die ZGT die teuren redaktionellen Inhalte online verramscht, hätte ich auch gern von Schrotthofer gewusst.

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