Blick über den Tellerand – wie Unternehmen und Medien in Schweden Hand in Hand arbeiten        

Das DJV-Thüringen-Vorstandsmitglied Ninette Pett war am Wochenende bei der Konferenz der jungen Unternehmer (EYE C7) in Schweden und hat sich umgehört, wie der Mittelstand auf Journalisten blickt.

Ein Text von Ninette Pett

Im Rahmen der europäischen Konferenz junger Unternehmer (EYE C7) hatten wir am Wochenende Gelegenheit, in einer neunköpfigen Wirtschaftsdelegation aus jungen, mittelständischen Unternehmern aller Branchen nach Stockholm zu reisen. Als Geschäftsführerin einer Agentur für strategische Unternehmenskommunikation und gleichzeitig Vorstandsmitglied im DJV Thüringen interessierte mich vor allem das Verhältnis zwischen Wirtschaft und Medien. So nutzte ich die Chance, um den Leiter des größten schwedischen Unternehmerverbandes Foretagarna, Mathias Melgren, nach dem Bild des Unternehmers auf Seiten der Medien und in der öffentlichen Wahrnehmung zu befragen.

Lokalsjournalismus vs. Mittelstand

Das Ergebnis unseres intensiven Austauschs war zugegebenermaßen irritierend für mich als deutsche Mittelständlerin. Tatsächlich arbeiten in Schweden Unternehmen und Journalisten sehr eng zusammen: Insbesondere der Lokaljournalismus zeige grosses Interesse an den wirtschaftlichen Aktivitäten vom Start-up bis zum international erfolgreichen Industriebetrieb, berichtete mir Mathias Melgren. Man sei stolz darauf und vermittle unternehmerische Ideen und Werte auch der breiten Öffentlichkeit, da diese informiert und motiviert werden soll.

Ninette Pett und Mathias Melgren

Entfallen vier Arbeitsplätze, betrifft das vier Familien

Informiert über Produkte und Leistungen, die bezogen werden können ohne natürlich deren Bewerbung zu ersetzen – motiviert, um den Unternehmen zu folgen, sie mit der eigenen Arbeitskraft zu unterstützen oder es ihnen gleichzutun. Dies alles auf der Grundlage und mit dem Blick auf die Bedeutung jedes einzelnen kleinen und mittelständischen Unternehmens für die Region.

Denn: Entfallen mit einer Insolvenz eines kleinen Unternehmens nur vier Arbeitsplätze, betrifft dies vier Familien, entfällt die jährliche Spende an die Sportvereine, die Sachspende an den örtlichen Chor, die Gewerbesteuer für die Gemeinde, die Vielfalt des Angebotes und des Wettbewerbs vor Ort. So sehen das die Schweden.

Ich würde mir wünschen, dass die deutsche Politik sich nicht nur in Sachen Mehrwertsteuer an den Nordeuropäern orientiert und dafür sorgt, dass schon unsere Kinder in der Schule zum selbständigen Denken und nach unternehmerischen Werten erzogen werden. Doch ich hoffe auch auf die Kooperation der Medien, die sich ihrer Verantwortung als Meinungsführer und Meinungsbildner stellen und dem Mittelstand den Platz und die Aufmerksamkeit einräumen, der ihm hinsichtlich seines Anteils an der Bruttowertschöpfung unseres Landes gebührt.

Engagement auf allen Seiten

Und natürlich sehe ich Potenziale bei den Unternehmern selbst, welche leider zumeist nicht über das reden, was sie alles tun. Sie könnten auf professionellem Weg und Hand in Hand mit den lokalen und überregionalen Medien nicht nur ihren Kunden sondern der breiten Bevölkerung zeigen, wie engagiert sie eigene und fremde Probleme lösen, bürokratische und gesellschaftliche Hürden überwinden, Innovationen in die Welt tragen und auf lokaler Ebene Ideen und Projekte der Gemeinschaft unterstützen.

Denn es scheint uns sonst so, als spreche man von zwei Welten: die eine, in der selbstsüchtige Unternehmer nach immer mehr Gewinnen gieren und auf dem gebeutelten Rücken ihrer Angestellten immer höhere Absatzmengen fordern, um davon und mit staatlicher Förderung ein dickes Auto zu fahren und die Urlaubsziele anzusteuern, die sich die diese für ihre Träume aufheben.

Und die andere, in der schon Schulkinder etwas von Entrepreneurship erfahren und dafür ausgebildet werden, alsbald selbst ihr Schicksal in die Hand zu nehmen und mit einer innovativen Idee oder einfach einer am Markt benötigten Dienstleistung nicht nur ihr eigenes Einkommen zu sichern, sondern auch familiäre Existenzen und sozialen Projekten die finanzielle Grundlage liefern.

Mathias Melgren

Zwei Welten

Zwei Welten? Eigentlich nicht, denn beide haben eines gemeinsam: In Schweden wie auch in Deutschland bildet ein vielfältiger Mittelstand aus kleinen und mittleren Unternehmen das wirtschaftliche Rückgrat der Gesellschaft. Sie stellen über 90% der Arbeitsplätze, agieren als lokale Initiatoren, soziale Unterstützer, künstlerische oder sportliche Förderer und Treiber von Forschung und Entwicklung. Sie setzen selbst Kinder in die Welt, ohne sich auf die sozialen Sicherungssysteme der Arbeitnehmerschaft verlassen zu können und gehen in schwierigen Zeiten ohne Einkommen nach Hause, damit die Mitarbeiter pünktlich ihren Lohn erhalten.

Und sie tragen massive und immer neue bürokratische Bürden, um das tun zu dürfen, was sie am besten können: etwas unternehmen. Über zwei Drittel der kleinen und mittelständischen Unternehmer verdienen dabei selbst nach zehn Jahren noch nicht annähernd das, was sie als Angestellter Manager eines Konzerns erhalten würden. Warum also sich täglich diese Bürde aufhalsen?

Vielleicht schaffen wir es dann gemeinsam, die Berufsziele unserer Jugendlichen zu ändern und aus dem nicht selten genannten „Harzer“ einen „Unternehmer“ zu machen.

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