Druckerei in Suhl wird geschlossen

Die Gesellschafter der Suhler Verlagsgesellschaft, in der das Freie Wort erscheint, haben entschieden, nicht mehr in die Druckerei zu investieren. Zwischen 15 und 20 Millionen hätte die neue Druckmaschine gekostet. Bedroht von dieser Entscheidung sind die Arbeitsplätze von 100 Beschäftigten in der Druckerei und Weiterverarbeitung. Ihre Chancen, einen Job zu finden, sind gleich Null. Mit dem Verlust des Arbeitsplatzes wird für vieleBeschäftigte eine berufliche Neuorientierung notwendig.

Gesellschafter des Verlags sind der Süddeutsche Verlag (70 Prozent) und die SPD-Medienholding dd_vg (30 Prozent. Gedruckt werden in Suhl neben Freies Wort auch die Südthüringer Zeitung (stz) und die Neue Presse, die in Coburg erscheint. Die Geschäftsführung soll nun mit anderen Druckereien über die Vergabe der Druckleistungen verhandeln. Im Gespräch sind Würzburg (Main-Post), Erfurt (Thüringer Allgemeine und Thüringische Landeszeitung) sowie Chemnitz (Freie Presse).

Die Redakteurinnen und Redakteure zeigten sich in der Betriebsversammlung solidarisch und kritisierten in einer Erklärung die Entscheidung der Gesellschafter. Damit wird zugleich ein deutliches Signal an die Anzeigenkunden und Leser ausgesandt, dass es sich nicht lohne, in den Verlag zu investieren. Selbst Geschäftsführer Thomas Regge wollte negative Auswirkungen auf die Erlössituation nicht ausschließen. „Mit dieser Entscheidung“, so DJV-Landesvorsitzender Wolfgang Marr, „setzen die Verlagsmanager die Zukunft der Verlage in Südthüringen aufs Spiel.“ Statt in der Zeitungskrise die Kompetenzen der Verlage zu stärken und für den Leser attraktive Zeitungen anzubieten, werden Arbeitsplätze abgebaut, Familien in einer strukturschwachen Region zur Abwanderung genötigt und damit der Auflagenverlust beschleunigt. Angesichts der Redaktionsserie „Hier geblieben“ wird sich nun mancher Leser fragen, wie es um die Glaubwürdigkeit in der Chefetage bestellt ist.

Die Begründung der Gesellschafter für ihre Entscheidung klingt wenig glaubhaft. Man wolle nicht mehr in Technik investieren, sondern in die Märkte und das Produkt. Wenn das so wäre, müssten freie Journalistinnen und Journalisten statt eines Hungerlohnes künftig ein angemessenes Honorar für ihre Texte und Fotos erhalten, müssten weiter Volontäre ausgebildet und durch Beschäftigung weiterer Redakteurinnen und Redakteure die unendlich vielen Überstunden abgebaut werden. Dafür muss aber keine Druckerei geschlossen werden, zumal es sich nicht um einen Not leidenden Betrieb und schon gar nicht um in wirtschaftlichen Schwierigkeiten steckende mittelbare Eigentümer handelt. Denn für den Kauf des Süddeutschen Verlags zahlte die Südwestdeutsche Medienholding (SWMH)ungefähr 650 Millionen. Und nach Springer ist die SWMH der zweitgrößte Tageszeitungskonzern in Deutschland.

6 thoughts on “Druckerei in Suhl wird geschlossen

  1. Es gibt Gerüchte, wonach die WAZ ihren Geschäftsführer Schrotthofer aus Thüringen abziehen will. Wäre auch kaum verwunderlich nach dem bizarren Schauspiel um die Lochthofen-Entlassung und den Zensurvorwürfen. Weiß jemand mehr?

  2. Es ist ein Jammer, wie die WAZ-Gruppe innerhalb kürzester Zeit vom unaufgeregt-professionellen Regionalzeitungsverlag, der zwar als etwas verschnarcht aber solide galt, zum Skandalunternehmen geworden ist. Erst die Serie der Management-Desaster in NRW mit sinnfreiem Show-Truck, dem Online-Millionengrab “Der Westen” und der publizistisch und geschäftlich ruinösen Einführung der Regiodesks zu Lasten der Lokalredaktionen und jetzt auch noch Thüringen.
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    Ohne Not wurde in einer bizarren Vorstellung der Geschäftsführung der erfolgreiche Chefredakteur gegen die Proteste der Leser gefeuert und der publizistisch anspruchsvollste Titel der gesamten Gruppe, die Thüringer Allgemeine, ins Schlingern gebracht.
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    Zensurvorwürfe gegen das regionale Management in Thüringen runden den Auftritt der WAZ-Mediengruppe ab.
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    Man fragt sich, wo das noch hinführen soll. Es ist zum Speien.

  3. Zum Thema Thüringer Allgemeine sollte ein eigener Faden her. Der Titel und die Vorgänge dort sind zu wichtig als das man das mit unter ferner liefen behandeln kann.
    Nach den skandalösen Ereignissen um die Absetzung Lochthofens, dem Hick-hack um seine Frau und dem mehr als stümperhaften Agieren des Verlags – in Person von Herrn Schrotthofer – muss jetzt sehr genau darauf geachtet werden, was in der Redaktion geschieht.
    Es ist ja beinahe skurril, wie die WAZ-Oberen Lochthofen jetzt in den Himmel loben für seine publizistische Leistung: schwarze Zahlen werden geschrieben, publizistisch war die TA über jeden Zweifel erhaben und dennoch muss der Chefredakteur Knall auf Fall raus. Die Leser bestellen in Scharen die Zeitung ab. Ein unglaublicher Fall von Managementversagen.
    Bleiben dürfen hingegen die Chefredakteure Hoffmeister (beim Defizitblättchen TLZ, das mit seiner 30.000er Auflage von der TA seit jeher quer-subventioniert wird) und Chefredakteur Erzigkeit (dessen OTZ noch nie mit ernsthafter Publizistik aufgefallen ist). Man fragt sich, wer hier am Ende die Scherben zusammenkehren muss.
    Klar ist, dass der abgehalfterte und glücklose Ex-Chefredakteur Schrottofer, der die Westfälischen Rundschau an den Rand der Pleite getrieben hat, irgendwann weiterziehen wird. Wahrscheinlich noch mit Küsschen und dreimal Zucker obendrauf. In Thüringen bleibt uns dann der Rest von dem Desaster, dass gerade angerichtet wird.

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