Keine Pressekonferenzen mehr im Landtag

Der Landespressekonferenz e. V. wird künftig keine Pressekonferenzen vor den Plenarsitzungen des Thüringer Landtags mehr veranstalten. Grund: Zuletzt nutzten kaum noch Journalisten dieses Angebot. In seiner Pressemitteilung appellierte der DJV Thüringen an Verantwortliche der Thüringer Medien, für eine vielfältige, umfassende politische Berichterstattung zu sorgen. 

Parallel zur Pressemiteilung bekamen die Chefredakteure der Thüringer Tageszeitungen einen Brief der DJV-Landesvorsitzenden Anita Grasse.

Sie erinnerte daran, dass die Pressekonferenzen nicht allein der Weitergabe von Informationen aus den aktuellen Plenarsitzungen dienten, sondern „stets Gelegenheiten waren, Themen der Politikberichterstattung aufzuspüren und zu vertiefen, weil die Vorsitzenden der Fraktionen im Landtag daran teilnahmen“.

Der DJV Thüringen betrachte die Absage dieser Entwicklung mit Sorge. Journalisten in Thüringen seien seit der zunehmenden Zentralisierung und Konzentration der Arbeit in fast allen Redaktionen häufig überlastet. Grasse fragt die Chefredakteure: „Können Sie es sich vor diesem Hintergrund wirklich leisten, ein so leicht zugängliches Instrument zur politischen Recherche aufzugeben?“

DJV sieht Befürchtungen bestätigt

Sie sehe in dieser Entwicklung auch die Befürchtungen des DJV Thüringen bestätigt, dass die zunehmende Zentralisierung und Konzentration der journalistischen Arbeit in den Thüringer Redaktionen die Medienvielfalt und damit schließlich auch die Meinungsvielfalt im Land beschneide. „Wenn in verschiedenen Zeitungen derselbe Text steht, weil Termine nur noch von einem Journalisten besetzt werden, dann hat das mit Vielfalt nichts mehr zu tun“, warnt Grasse: „Und besonders dramatisch wird es, wenn das auch die Berichterstattung über die Landespolitik trifft, die direkte Auswirkung auf das Leben der Leser und Zuschauer in diesem Land hat.“

Weiter machte die Landesvorsitzende deutlich: „Es ist unser aller Aufgabe, unsere Leser, Zuschauer, Zuhörer und User mit Informationen zu versorgen, die ihnen eine ausgewogene Meinungsbildung erlauben. Das gelingt nur durch Vielfalt – in der Themenwahl, Quellennutzung, Recherche und Berichterstattung.“ Die DJV-Vorsitzende forderte vor allem die Chefredakteure der Mediengruppe Thüringen auf, „das Vielfaltsversprechen einzuhalten“, das die Umstrukturierungen der vergangenen Jahre begleitete.

Der DJV Thüringen biete sich zum Gespräch an, um „gemeinsam für die mediale Vielfalt in Thüringen zu streiten“.

(Foto: BY-SA 3.0, Bundesarchiv Bild 183-1989-1109-030)

 

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