Pressesprecher haben es schwer

Kann es sein, dass Pressesprecher ziemlich oft zwischen den Stühlen sitzen? Bei uns Reportern kommt es oft so an. Wir wollen eher über Themen und Konflikte einer Branche berichten. Was wir Reporter von den Pressesprechern aber bekommen, sind oft Pressemitteilungen mit Statements des Verbandsvorsitzenden.

Ein Text von Heidje Beutel

Es war zum Beispiel in der Landwirtschaft so, dass wir Reporter wegen der niedrigen Milchpreise Milchbetriebe besuchen wollten. Oder wir wollten aufs Feld, weil der Sommer zu trocken oder das Frühjahr zu nass ausgefallen war. In den Pressemitteilungen des Bauernverbandes sind wir aber regelmäßig darüber informiert worden, was der Bauenverbandspräsident von der Förderpolitik der EU hält (nichts).

Es kommt auf den Pressesprecher an

Das war insofern kein Problem, weil der Pressesprecher für uns unermüdlich diejenigen Landwirtschaftsbetriebe organisiert hat, die wir brauchten. Innerhalb der Organisation wurde er aber dafür kritisiert. Weil wir uns im Lauf der Zeit gut kennen gelernt haben, bekamen wir in Andeutungen mit: der Pressesprecher sollte eigentlich mehr Pressemitteilungen schreiben und damit den Präsidenten in die Medien bringen. Das hatte aber keinen Sinn, denn weder Zeitungen noch elektronische Medien haben diese Pressemitteilungen gedruckt oder gesendet. Das Interesse an Informationen über Landwirtschaftsthemen allgemein war dagegen groß. Ein Pressesprecher sitzt also manchmal zwischen den Stühlen: er weiß, was Reporter wollen, und muss das tun, was sein Chef will.

Was kann der DJV Thüringen tun?

Wenn Pressesprecher ihren Vorgesetzten noch besser verdeutlichen können, was den Journalisten interessiert, könnten sie besser argumentieren, welche Statements man sinnvoll rausgibt. Wir vom DJV Thüringen wollen darüber informieren, wie wichtig gute und „unabhängige“ Öffentlichkeitsarbeit aussieht – und zwar nicht nur bei unseren Mitgliedern, die in der Branche arbeiten, sondern auch gegenüber den Firmen, die Pressesprecher einstellen und beschäftigen.

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