Raue: „Es gibt kein Zerwürfnis“

meedia.de hat bei TA-Chef Paul-Josef Raue nachgefragt: für ihn scheint die Welt in Ordnung, gebe es kein „Zerwürfnis mit der Redaktion“.
Laut meedia soll aber auch Martin Debes ein wenig Dampf aus dem Kessel gelassen haben. Er wird zitiert, dass bei der Redaktionsversammlung ein „konstruktiver Gesprächsprozess in Gang gesetzt“ worden sei.
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3 thoughts on “Raue: „Es gibt kein Zerwürfnis“

  1. Herrn Raues Aussagen sind ein Witz, angesichts der Forderungen der Redaktion, die hier http://www.thueringerblogzentrale.de/2012/06/08/brief-der-redaktion-der-thuringer-allgemeinen-an-ihren-chefredakteur-paul-josef-raue/ und anderswo komplett nachzulesen sind.
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    Es geht um nichts weniger als absolute Basisgeschichten einer redaktionellen Führung. Die klassische Redaktionskonferenz ist bei der TA abgeschafft worden, weil Herr Raue keine offene Diskussion über sein Verständnis von redaktioneller Arbeit zulassen wollte.
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    Und die beste Auflagenentwicklung, die Herr Raue beschwört, gibt es – nachzulesen bei der IVW – wohl nur in seinem Kopf. Alle Thüringer WAZ-Titel – für die der Desk von Herrn Raue verantwortlich ist, verlieren seit seinem Antritt die meisten Leser im Osten. Sogar in den strukturschwachen Regionen MeckPom und Sachsen-Anhalt halten sich die Titel besser. Knapp vier Prozent jährliches minus unter seiner Führung als „leichtes Rutschen“ zu bezeichnen, ist schon eine ziemliche Frechheit.
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    Meedia wäre aufgefordert, statt der Repetition der Aussagen von Herrn Raue, seine kühne These von der „besten Auflagenentwicklung seit langer Zeit“ mal mit der Realität der IVW-Zahlen des entsprechenden Zeitraums zu konfronieren, statt nur die aktuelle Ausweisung anzuführen. Die TA – vormals eine der bestwahrgenommenen relevanten Zeitungen im Osten, hat Herr Raue ruiniert. Nix weiter.
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    Und dass sich ein Redakteur öffentlich deeskalierend äußert, ist angesichts des Personalabbaus nichts weiter als Existenzangst. Im Zwiegespräch und unter drei klingt das ganz anders. Siehe den taz-Beitrag von Steffen Grimberg.

  2. Dass Herr Debes „etwas Dampf aus dem Kessel“ lässt, ist angesichts der im Brief an die Chefredaktion geäußerten Vorwürfe ganz gewiss kein Zurückrudern oder Relativieren. Dazu sind die Themen des Schreibens der Redakteure inhaltlich zu massiv.

    Zu fragen ist vielmehr, ob Herr Raue mit seiner offensichtlichen Nichtwahrnehmung der Situation überhaupt geeignet ist, für einen Job dieser Art.

    Warum haben den reihenweise gute (und junge) Kollegen in den vergangenen zwei Jahren gekündigt? Doch sicher nicht, weil sie anderswo Mega-Jobs bekommen haben, sondern weil es für junge, interessierte Journalisten nicht Schlimmeres gibt als bei einem irrelevanten Medium zu arbeiten.

    Über die Zeit der TA unter Lochthofen kann man sicher diskutieren. Na klar, war das ein fordernder und knallharter Chefredakteur, der die Redaktion mit eiserner Hand geführt hat. Aber es muss doch zugestanden werden, dass die TA zu seiner Zeit eine Stimme von Rang und Qualität im Verbreitungsgebiet (und weit darüber hinaus) gewesen ist, die den von Raue immer akzentuierten „Verfassungsrang“ der Presse als vierter Gewalt mustergültig erfüllt hat. Und es gab Redaktionskonferenzen 🙂

    Die Politik hatte damals gehörig Dampf vor dieser Thüringer Allgemeinen. Die Redakteure und Berichterstatter wurden hoch respektiert, weil die TA im besten Sinne unabhängig und kompetent gegenüber jeder politischen Coleur agiert hat. Nicht zu reden, von den überraschenden Themen, Aufmachungen und Umsetzungen seinerzeit, die – ja, sowas gab es mal – an manchen Wochenenden zu richtig Gesprächsstoff und reihenweise positivem Feedback seitens der Leser sorgten. Und ich weiß aus eigener Erfahrung, wie hoch ein Volontariat bei der TA unter Lochthofen bei anderen, großen überregionalen Blättern in Deutschland geschätzt wurde und bis heute geschätzt wird.

    Heute hingegen lacht die Thüringer Politik über den Kurs von Verlag und Chefredaktion, weil es einfach viel bequemer und ruhiger geworden ist, seit Raue da ist. Und die Leser lesen es einfach immer weniger.

    Auch wenn die Vergangenheit vorbei ist, und nicht wieder kommt, ist der Brief der Redakteure ein deutliches Zeichen, dass den Kollegen bei der TA selbst sehr bewusst ist, wie stark die Zeitung an Renommee und Markenkraft seit Raues Antritt verloren hat. Wenn man mit den Kollegen hin und wieder mal gesprochen hat, kam das nicht überraschend und ist sicher noch längst nicht gegessen.

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