Trimediales Arbeiten ist oft Stress – So sieht die Realität aus

Gibt es den klassischen Journalisten noch? In vielen Verlagen und Rundfunkanstalten wird aus Redakteuren, Fotografen und Videoredakteuren heute eine bunte Mischung aus allem. Trimedialität nennt sich das, Kollegen sollen nach Möglichkeit alle Kanäle bedienten. Und klar, wer über einen Termin schreibt, kann doch auch fix noch ein Bild machen und ein kleines Video. Das Smartphone immer zur Hand, ist das heute leichter denn je. Doch wie sieht es mit der Vergütung für diese Extraarbeit aus?

Darüber wurde auch in Thüringen mit den Verlagen intensiv diskutiert. Die Vertreter des Arbeitgebers sagten bei den Tarifverhandlungen über die trimediale Honorierung, bei der Auftragsvergabe würden die Reporter über die zusätzlichen Aufgaben informiert. Der Chef vom Dienst werde ankreuzen, was die freien Mitarbeiter extra und für andere Medien machen sollen. Eine Fernseh-Reporterin könnte dann zum Beispiel noch einen Hörfunk-Beitrag machen, Fotos für die Online-Seite und einen O-Ton für die Nachrichten holen. Vorher ankreuzen heißt: man muss mehr leisten, kann sich aber darauf vorbereiten.

Trimedial
To-do-Liste des trimedialen Redakteurs.

Die Realität sieht meist anders aus

Die Aufträge oder Anfragen kommen oft knapp – manchmal zu spät. Wenn die Redaktion nach einem Ereignis anruft, dass sie Fotos von dem Ereignis haben will, klappt das nicht mehr. Das ist eigentlich logisch und einfach zu verstehen.

Wenn der Anruf währenddessen kommt, ist es Stress. Denn während alle eine Baustelle oder eine neue Fabrik besichtigen, dem Verladen einer Lok zusehen, dem Förster hinterherlaufen, sind die Reporter ja voll ausgelastet mit ihrer Berichterstattung. Dann haben sie keine Zeit zu fotografieren, Handy-Videos zu drehen oder zusätzliche Interviews aufzunehmen. Die Anrufe, SMS oder Emails mit den zusätzlichen Anforderungen der Redaktion lenken zumindest ab.

Dazu kommt: es kostet Zeit, Fotos zu beschriften und zu transferieren oder Hörfunkinterviews zu kürzen und in die Zentrale zu senden. Mal ganz abgesehen davon, dass der Fotoapparat in der Redaktion liegen, das Verbindungskabel zuhause, der Speicher voll oder der Akku leer sein könnte. Und dann hängt sich noch das Tool auf, mit dem wir die Medien transferieren sollen, oder der PC macht sein monatliches Update und ist erstmal nicht brauchbar. Diese Form von Stress ist überflüssig.

Die Bezahlung ist bescheiden

Bei den Tarifverhandlungen über trimediales Arbeiten hat der Arbeitgeber angeboten, die zusätzlichen Leistungen zu bezahlen – allerdings nur mit der Hälfte des Mindesthonorars. Denn die Reporter müssten ja nicht mehr extra zu dem Termin hinfahren. Das ist zwar zutreffend, aber die Ereignisse, über die wir berichten, haben in der Regel ein kleines Zeitfenster. Man kann nicht einfach ein Stunde früher kommen und etwas länger bleiben, um alle denkbaren zusätzlichen Aufgaben zu erledigen. Es muss also besonders schnell gehen. Das ist Stress, der bezahlt werden muss.

Bei den Tarifverhandlungen gab es eine lange Liste „kombinierbarer Tätigkeiten“. Als ob Reporter unendlich viel leisten könnten. So viele zusätzliche Leistungen haben die Chefs vom Dienst zum Glück noch nicht beauftragt. Wir stehen erst am Anfang der trimedialen Arbeit.

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