Vorgesetzte können sexuelle Belästigung verhindern – ein Beispiel beim ehemaligen SFB

Frauen in Männerberufen – Warum ist das heute eigentlich immer noch ein Problem? Sexuelle Belästigung, fehlende Wertschätzung und Ungleichbehandlung sind nur einige der Themen, die Arbeitgeber längst besser im Griff haben sollten. Die Vorsitzende des DJV Thüringen Heidje Beutel erinnert sich an ihre Anfänge als Kameraassistentin und einen Chef, der für sie den Unterschied gemacht hat.

Ein Text von Heidje Beutel

Anfang der 80er Jahre bestanden die Kamerateams beim Sender Freies Berlin (SFB) nur aus Männern. Etwa 45 Kameramänner, Assistenten und Tontechniker waren fest angestellt oder frei beschäftigt, haben für die Abendschau oder längere Formate gearbeitet. Dann kamen zwei junge Frauen als Kameraassistentinnen dazu, eine war ich, 22 Jahre alt. Den Chefs war wohl klar, dass es zu Konflikten kommen könnte. Daher hat die Disponentin klar ausgedrückt, dass ich Bescheid sagen soll, wenn es Probleme gibt, und dass ich mir nichts gefallen lassen soll.

Der Einsatzleiter der Kamerateams, Fritze Grosche, wurde noch deutlicher. Er meinte, ich soll mich richtig wehren. Wörtlich: „Man schlägt nicht mit der flachen Hand in Scheiße!“

„Du weisst, wozu ein Schwenkarm da ist!“

Einmal hat er sich vor einer Dienstreise vorsorglich den Kameramann zur Brust genommen, den er verdächtigte, mit allen Frauen anzubandeln. Während wir den Dienstwagen gepackt haben, ging er auf der Rampe hin und her und forderte mich auf, mit dem Schwenkarm zuzuschlagen, wenn es nötig ist. Er wollte verhindern, dass ich mich unter Druck setzen lasse. Ein Schwenkarm ist eigentlich zum Schwenken am Stativ. Aber früher konnte man ihn abnehmen und wie einen Knüppel nutzen.

Vorbild Fritze Grosche

Die Zeit beim SFB war nicht einfach, es flogen durchaus die Fetzen, aber ich habe mich nie so einsam gefühlt oder so viel Angst gehabt wie die Frauen, deren Fälle sexueller Belästigung in letzter Zeit bekannt geworden sind. Das hätten die Chefs auf allen Leitungsebenen verhindern können. Sie müssen stets deutlich machen, dass sexuelle Belästigung nicht geduldet wird.

Fritze Grosche und die Disponentin haben den Job in den 80er Jahren besser gemacht!

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