Darum muss es den öffentlich-rechtlichen Rundfunk geben

„Woher seid ihr? Aus Leipzig?“ Unser Interviewpartner sieht uns aufmerksam an („so sehen also Leute aus Leipzig aus“). Aber dann sind wir doch aus Thüringen, was man auch an der Sprache hört. Wir wohnen sogar im gleichen Landkreis. Typisch für den öffentlich-rechtlichen Rundfunk.

Wir zerstreuen auch schnell ein gewisses Misstrauen: dass wir nur wegen der paar Kabel in das Dorf gekommen sind. Wir sind nicht einem großen Skandal auf der Spur, sondern wir berichten ganz normal über das, was für die Anwohner wichtig ist – auch wenn es nur 1:30 Minuten sind. „Für einen so kurzen Beitrag seid ihr aber lange unterwegs.“ „Ja, das sind wir gewohnt.“

Es gibt natürlich auch Begegnungen mit Zuschauern und Hörern, die sehr routinierte Nachrichtenkonsumenten sind. Die sehen die Kamera im Wald und referieren sofort alle Wald-Themen der letzten Wochen, wobei ich sie zart darauf hinweise, dass ich natürlich ein neues Wald-Thema umsetze: eines, von dem sie noch nicht gehört haben. Andere bekommen dagegen nichts mit von dem, was elektronische Medien senden und Zeitungen schreiben. Sie sind umso empörter – zum Beispiel darüber, dass ein Regionalzug ausfällt. Man könnte sagen: das stand schon x-mal in der Zeitung. Im Fernsehen und Hörfunk wurde über den Beginn der Bauarbeiten informiert und darüber, dass dadurch die Züge danach wesentlich schneller fahren werden. Die Frau am Bahnsteig hat jetzt nichts davon: „Ich lese keine Zeitung.“ Was können wir machen, damit sie sich das nächste Mal informiert, bevor sie anfängt zu schimpfen? Fakten über Baustellen und geänderte Fahrpläne könnten immer auf der Internetseite der Funkhäuser zu lesen sein. Es würde später zur Gewohnheit werden, dort regelmäßig nachzusehen.

Bisher ist es so, dass sich unsere Gesprächspartner die Beiträge noch mal im Internet ansehen und – wenn sie bei Facebook gepostet wurden – auch stolz „teilen“. Beim Dreh waren sie vielleicht erstaunt, was wir alles filmen wollen und dass es ihre richtige Arbeit sein soll. „Kann ich nicht ein bisschen so tun als ob?“. „Nein, denn wir brauchen viele Bilder.“ Das finden die Gesprächspartner hinterher dann auch gut und sind so zufrieden, dass wir wiederkommen dürfen.

Kurzum: Wir kennen uns in unserer Region aus. Wir nehmen uns die notwendige Zeit. Wir berichten auch über „Kleinigkeiten“. Wir bieten Service, den man aber noch steigern könnte. Wir machen keine Tricks.

Heidje Beutel

 

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